Eine kleine Heldin kommt selten allein

Nicht alle HeldInnen tragen Cape. Manche sitzen in Jeans und Hoodie vor dir. Aber dass sie wahre Superkräfte haben, spürst du trotzdem direkt. Das ist die Geschichte eines starken Mädchens, das sich mutig seinem Schicksal stellt.

Der Antiheld dieser Geschichte bleibt lange Zeit unsichtbar. Es ist ein sonniger Samstag im September 2022. Josi und Patrick sind mit ihren drei Kindern Lotte (7), Loki (4) und Frieda (2) unterwegs. Die Geschwister fahren Wettrennen, die Eltern genießen die unbeschwerte Stimmung, die Sonne strahlt mit der Familie um die Wette. Alles wie immer – bis Mama Josi auffällt, dass Friedas linkes Auge bei schnellen Kopfbewegungen unkontrolliert wandert. Komisch. Für die Eltern steht fest: Sie müssen herausfinden, was los ist.

Es folgen Besuche beim Kinderarzt und im Krankenhaus. Und dann? Geht alles ganz schnell. Die zehnstündige Operation ist für den nächsten Tag angesetzt. Und aus anfänglich diffusen Symptomen wird ein ganz realer Feind: In Friedas kleinem Kopf hat sich ein Tumor eingenistet, er ist ungefähr so groß wie ein Golfball.

Sofort ist der Familie klar: Aufgeben ist keine Option. Diesen fiesen Bösewicht schlagen wir gemeinsam in die Flucht! Nicht nur Mama Josi und Papa Patrick, auch die großen Geschwister sind während Friedas langer Zeit im Krankenhaus eng an ihrer Seite. Das Ronald McDonald Haus in Berlin-Buch wird für die Familie zu ihrer ganz eigenen Superhelden-Zentrale und zu ihrem Zuhause auf Zeit. Hier können die Eltern und Geschwister ihre dringend benötigten Superkräfte tanken, etwa bei den Verwöhn-Abendessen zusammen mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern, beim Bolzen auf dem riesigen Fußballplatz neben dem Haus oder auf der Schaukel im Spielbereich – einem Ort zum Fliegen, Lachen, Loslassen. Volle Akkus braucht die Familie dringend, denn Friedas Prognosen sind nicht immer positiv.

Doch sich mit solchen Aussichten abzufinden, das kommt überhaupt nicht infrage. Sowohl Mama und Papa als auch die Kids glauben fest daran, dass Frieda wieder gesund wird. Und sie alle nutzen ihre ganz eigenen Superkräfte, um für dieses Ziel zu kämpfen. Loki liest beispielsweise seiner kleinen Schwester liebevoll Geschichten vor und weicht nicht von ihrer Seite. Mama Josi lässt nichts unversucht, weitere Therapien für Frieda zu organisieren. Papa Patrick wiederum ist während jeder Behandlung an Friedas Seite. Und auch die kleine Lotte, die sich für gewöhnlich eher introvertiert zeigt, ist Tag und Nacht für Frieda da. Regelmäßig sind zudem Oma, Opa und weitere Verwandte zur Stelle, um Frieda zu helfen.

Im Ronald McDonald Haus finden Josi und Patrick aber auch die Ruhe, die sie so dringend benötigen. Schließlich brauchen sogar die tapfersten Heldinnen und Helden mal einen Moment zum Durchatmen, bevor die nächste Herausforderung anklopft. Im Elternhaus werden den erschöpften Eltern viele kleine Aufgaben abgenommen und Hilfe angeboten. Noch immer denkt die Familie gern an die Zeit zurück. Besonders dankbar sind sie für die vielen Mitarbeitenden, die ihr Leben bis heute bereichern. Wenn Frieda von der Mitarbeiterin in der Ronald McDonald Oase erzählt, strahlen ihre Augen besonders. Denn auch die Oase, die sich als Rückzugsort inmitten des Helios Klinikums befindet, ist für die ganze Familie ein wichtiger Ort zum Krafttanken gewesen.

Nach zwei Monaten auf der Intensivstation geht es für Frieda in die Früh-Reha. Weihnachten kann die kleine Kämpferin sogar zu Hause mit ihrer Familie feiern. Ihre Genesung ist damit allerdings noch nicht abgeschlossen. Es folgen Chemotherapie, Bestrahlungen, Logopädie, Ergo- und Physiotherapie. Doch neben all den anstrengenden Tagen und Rückschlägen glaubt die Familie an ein Happy End. Und wie sie heute weiß: zu Recht.

Zusammenhalt, Nähe, Kämpfergeist – das sind die Superkräfte, die dazu beigetragen haben, dass die Familie das Unmögliche möglich gemacht hat: Der unsichtbare Bösewicht ist besiegt. Dass Frieda heute wieder laufen, sprechen und scherzen kann, hätten viele nicht für möglich gehalten. Doch Superheldinnen und Superhelden richten sich nicht nach Drehbüchern, sie schreiben ihre eigene Geschichte. Und Friedas? Die ist noch lange nicht zu Ende.


»WIR HABEN FEST DARAN GEGLAUBT, DASS FRIEDA WIEDER GESUND WIRD.«

 

[aus: Jahresbericht 2024 der McDonald´s Kinderhilfe Stiftung]

 

29.07.25